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12 Dez 2018

Basis-Bausteine zur Sicherheit bei Events

Autor: Volker Löhr, Rechtsanwalt

Veranstaltungen finden in Kongresszentren, Arenen, Hotels, Event-Locations, kurz gesagt in „Versammlungsstätten“ statt. Ein wesentliches Merkmal von Versammlungsstätten ist, dass sie für die gleichzeitige Anwesenheit vieler Menschen bei Veranstaltungen bestimmt sind. Ab einer Kapazität von mehr als 200 Besuchern stellt der Gesetzgeber spezielle Sicherheits-/ und Brandschutzanforderungen an die Versammlungsstätte, aber auch an die mit der Organisation und Durchführung der Veranstaltung betrauten Personen.  

Zu den „Basis-Bausteinen“ eines sicheren Events zählt die Klärung folgender 10 Punkte:

  1. Verfügt die Location über baurechtlich genehmigte „Bestuhlungspläne“?
  2. Ist die Location für die Anzahl der erwarteten Besucher zugelassen/genehmigt?
  3. Welche Brandschutzanforderungen bestehen in der Location?
  4. Muss eine Fachkraft oder ein Verantwortlicher für Veranstaltungstechnik anwesend sein?
  5. Verfügt der „Betreiber“ über ein nach der MVStättVO gefordertes Räumungskonzept?
  6. Gibt es Notfallpläne zum Vorgehen bei besonderen Gefahrenlagen - wer entscheidet was?
  7. Ist die Abstimmung der Sicherheitsanforderungen mit dem Betreiber der Location möglich?
  8. Ist ein qualifizierter Ordnungsdienst für die Veranstaltung erforderlich?
  9. Wird der Veranstaltungsleiter vom „Betreiber“ der Location oder vom Veranstalter gestellt?
  10. Ist die Kommunikation zwischen Veranstalter, Betreiber und Ordnungsdienst während der Veranstaltung gewährleistet?

Fehlen genehmigte Bestuhlungspläne (Aufplanungsvarianten) ist die Location in der Regel nicht für mehr als 200 Besucher geeignet. Da eine Überfüllung von Versammlungsstätten strengstens verboten ist, sollte man als Faustformel mit maximal 2 Besucher/mplanen.  Verfügt die Event-Location über Brandmelder und Sprinklerschutz ist u.a. der Einsatz von Bühneneffekten zwingend abzustimmen. Die Sicherheit der Veranstaltungstechnik, ist durch den Einsatz speziell qualifizierter Fachkräfte und Meister zu gewährleisten.

Volker Löhr

Rechtsanwalt Volker Löhr ist ausgewiesener Experte im Veranstaltungsrecht. Er entwickelt seit über 15 Jahren Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen. Mit seiner Bonner Kanzlei betreut er eine Vielzahl von namhaften Veranstaltern und über 200 Betreiber von Kongresszentren, Messeplätzen Arenen, Sportstadien und Multifunktionshallen. Er ist Referent an verschiedenen Universitäten und Fortbildungseinrichtungen sowie Autor des juristischen Standardwerks zum Bau und Betrieb von Versammlungsstätten.

Räumungskonzepte und Nofallpläne aufstellen

Die Aufstellung von Räumungskonzepten ist eine neue bußgeldbewehrte Betriebsvorschrift nach der MVStättVO, die allerdings in vielen Veranstaltungshäusern noch umgesetzt werden muss. Für besondere Gefahrenlagen und Notfälle sollte ein professionell geführtes Veranstaltungshaus über dokumentierte Nofallpläne verfügen, in denen die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten zwischen Veranstalter und Betreiber klar geregelt sind. Welches Sicherheitsniveau anzusetzen und welche konkreten Sicherheitsanforderungen (z. B. beim Einlass) für die Veranstaltung erforderlich sind, bestimmt sich in erster Linie nach der Art und den Inhalten der Veranstaltung sowie nach dem zu erwartenden Besucherprofil. Eine nachvollziehbare Bewertung z. B. anhand einer Checkliste sollte zum Standard eines jeden Sicherheitskonzepts gehören.

Der Einsatz eines professionellen Ordnungsdienstes ist in der Regel für Veranstaltungen mit erhöhten Risiken obligatorisch. Solche Risiken können in Form von Bedrohungs-/ und Anschlagrisiken auf die Veranstaltung einwirken, oder auch durch die Zusammensetzung und das Verhalten der Teilnehmer selbst entstehen. Ob der Betreiber die Funktion des Veranstaltungsleiters auf den Veranstalter überträgt, sollte bereits im Veranstaltungsvertrag und in einer Anlage zum Vertrag geregelt werden. Unwirksam ist die Übertragung jedenfalls dann, wenn sie nur mündlich vereinbart ist. Last but not least steht und fällt die Sicherheit bei einem Event mit der Reaktionsfähigkeit aller Beteiligten. Die Kommunikation über Funk oder Cordless-Phones muss organisiert werden und der Treffpunkt bei Notfällen vorab feststehen.