Meet green: Anbieter müssen der Sustainable Supply Chain gerecht werden

Interview mit Dirk Walterspacher, Geschäftsführer von ForestFinest Consulting GmbH (CO2OL)

Ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit sowie soziale Verantwortung sind in der Veranstaltungsbranche längst keine Marketingplattitüden mehr, sondern werden bereits von vielen Hotels, Tagungsstätten und MICE-Dienstleistern aktiv gelebt. Grund dafür ist der zunehmende gesellschaftliche, unternehmerische und gesetzliche Anspruch an nachhaltige Veranstaltungskonzepte.

Zum Thema Nachhaltigkeit in der Kongress- und Tagungswirtschaft haben wir mit Dirk Walterspacher, Geschäftsführer der ForestFinest Consulting GmbH, zu der auch die Unternehmensberatung "CO2OL" gehört, gesprochen. Walterspacher ist Leiter des GCB-Seminars "Weiterbildung zum Nachhaltigkeitsberater in der Veranstaltungsbranche" und engagiert sich als Jury-Mitglied beim Meeting Experts Green Award.

GCB: Herr Walterspacher, Nachhaltigkeit nimmt in der Veranstaltungsbranche zunehmend einen hohen Stellenwert ein. Warum ist es denn speziell in der Kongress- und Tagungswirtschaft so wichtig, sich zum Thema Nachhaltigkeit zukunftsfähig aufzustellen?

Walterspacher: Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Gesellschaft weltweit angekommen und darauf reagieren die Unternehmen. Es wird erwartet, dass Firmen nachhaltig wirtschaften und dies auch in Form von Nachhaltigkeitsberichten kommunizieren. Dies wird nicht nur von Finanzgebern und Verbänden bewertet, sondern bekommt durch die neue EU-weite CSR-Berichtspflicht ab 2017 für Kapitalgesellschaften einer bestimmten Größe eine verpflichtende Komponente. Nicht-finanzielle Leistungen und Kennzahlen der gesamten Wertschöpfungskette - so auch die Nachhaltigkeitsaspekte von Dienstleistern und Zulieferern bei Messen, Tagungen und in der Live-Kommunikation - müssen künftig offengelegt und kommuniziert werden. Hotels, Locations, Catering-Unternehmen und andere MICE-Dienstleister sind also von der neuen Berichtspflicht indirekt aber schon heute betroffen.

GCB: Wie ist denn die Veranstaltungsbranche in punkto Nachhaltigkeit aufgestellt?

Walterspacher: In Deutschland haben sich Organisationen wie GCB, EVVC und FAMAB frühzeitig und visionär dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet. Standards wurden etabliert und Nachhaltigkeitsschulungen für die Veranstaltungsbranche initiiert, Zudem gibt es eine hohe Anzahl zertifizierter Hotels und Locations sowie Dienstleistern, die sich nachhaltig positionieren. Hinzu kommen die moderne Infrastruktur, die guten Verkehrsanbindungen, fortschrittliche Gebäude und Technologie. Alles zusammen bildet eine optimale Grundlage, um sämtliche Facetten der Nachhaltigkeit von Inklusion über soziale Themen bis hin zur ökologischen Nachhaltigkeit abzubilden.

GCB: Was sind erforderliche Voraussetzungen, um eine Veranstaltung nachhaltig umzusetzen?

Walterspacher: Es bedarf einer guten Strategie, die sich am Unternehmensleitbild orientiert und in die eigene Nachhaltigkeitspositionierung einzahlt. Mit einer Reflexion bisheriger Veranstaltungen wird man feststellen, dass man schon viel richtiggemacht hat, nicht zuletzt aufgrund der strengen Sozialgesetzgebung, der modernen Technik und der Berücksichtigung nachhaltiger Mobilitätsangebote. Nach diesem Abgleich bedarf es der Identifizierung von Handlungsfeldern und der Entwicklung von Maßnahmen zur Minimierung und Vermeidung von negativen Auswirkungen und der Steigerung der Nachhaltigkeitsaspekte. Dieser Ablauf muss in einen kontinuierlichen Prozess, ein Nachhaltigkeitsmanagement, übergehen. So kann durch konsequente Ressourcenschonung sogar Kostenreduzierung generiert werden.

GCB: Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich durch das Zusammenspiel der drei Nachhaltigkeitskomponenten Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung?

Walterspacher: Nachhaltigkeitsmaßnahmen zahlen unterschiedlich in diese drei Säulen ein, daher muss eine Balance hergestellt werden. So kann sich eine Investition in teurere Bio-Produkte im Catering zunächst negativ auf die ökonomische Bilanz auswirken. Durch Maßnahmen wie Erhöhung der Energie-Effizienz und Digitalisierung können an anderer Stelle Ressourcen durch nachhaltiges Handeln geschont und so wieder Einsparpotenziale identifiziert werden. Wenn die Maßnahmen ausgewogen sind, kann eine nachhaltige Veranstaltung sowohl zugunsten ökonomischer, ökologischer und sozialer Auswirkungen umgesetzt werden.

GCB: Auf welche Aspekte legen Sie als Jury-Mitglied des Meeting Experts Green Award bei der Einreichung von Nachhaltigkeitsprojekten und -konzepten besonderen Wert?

Walterspacher: Mir ist es besonders wichtig, dass die Glaubwürdigkeit eines Nachhaltigkeitsprojekts oder -konzepts stimmig ist. Außerdem achte ich auf die Integration in alle Bereiche des Unternehmens, auf die Inhalte und die langfristige Strategie.

GCB: Wie hoch ist Ihrer Meinung nach die Relevanz des Nachhaltigkeitspreises der Veranstaltungsbranche?

Walterspacher: Es ist spannend zu sehen, wie positiv sich Qualität und Quantität der Einreichungen seit Einführung des Awards entwickelt haben. Demnach bekommt der Green Award zunehmend eine entscheidende Bedeutung für die Branche und kann als Leuchtturmprojekt wirken. Der Preis ist nicht nur eine tolle Auszeichnung für nachhaltig agierende Unternehmen mit Vorbildfunktion, sondern macht auch die Projekte von Vorreitern in punkto Nachhaltigkeit transparent und dient als Ansporn für andere.

Dirk Walterspacher

Dirk Walterspacher, ist Geschäftsführer von „CO2OL“. In Europa ist CO2OL mit mittlerweile über 500 klimafreundlich umgesetzten Veranstaltungen Marktführer im Bereich Beratung und Betreuung von GreenEvents bzw. GreenMeetings.

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