Matthias Schultze bei der Vorstellung der Future Meeting Space Ergebnisse im Holm

Lernen neu denken

Wissensvermittlung 

Autor: Matthias Schultze, Managing Director, GCB German Convention Bureau e.V.

Konferenzsaal, Frontalvortrag und Powerpoint-Charts? Heute wird Wissen anders vermittelt - interaktiver und kollaborativer, mobiler und erlebnisorientierter soll es sein. Das stellt Veranstaltungsplaner und Locationbetreiber vor neue Herausforderungen. Ein Überblick.

Das Tempo, mit dem sich die MICE-Branche wandelt, ist rasant. Die digitale Transformation schreitet unaufhaltsam voran. Damit verändert - und individualisiert - sich das Verhalten der Teilnehmenden: Sie möchten aktiv dabei sein, selbst mitmachen und mitbestimmen. Hinzu kommt, dass mit der digitalen Vernetzung und zunehmenden Verbreitung von Smartphones und Tablets, Wissen standortunabhängig und kurzfristig vermittelt werden kann. Individuelle Kommunikation und Zusammenarbeit werden so auch über weite Distanzen ermöglicht. Für Veranstaltungsplaner und Locationbetreiber ergeben sich daraus bei der Planung von Kongressen und Tagungen und dem Einsatz von Methoden sowie Formaten zur Wissensvermittlung fünf Anforderungen:

1. Inhalte digitalisieren

Die sinnvolle Integration online basierter Technik ist für alle Teilnehmenden ein klarer Mehrwert. Alle nötigen Informationen, Studien und Vorträge sollten deshalb online verfügbar sein, zum Beispiel über eine Internet-Plattform oder per App. Das vergrößert nicht nur den potenziellen Teilnehmer-Kreis, sondern macht die Wissensvermittlung effizienter: Teilnehmende können direkt auf die online bereitgestellte Präsentation zugreifen, dem Vortrag konzentriert folgen sowie die Charts um eigene Anmerkungen ergänzen.

2. Interaktion fördern

Teilnehmende möchten ihr Wissen erweitern und ausbauen, es gemeinsam mit anderen analysieren und diskutieren sowie das Gelernte aktiv anwenden. Interaktion und Austausch rücken immer mehr in den Fokus. Die Vernetzung der Teilnehmenden kann zum Beispiel durch digitale Dolmetscher sowie großformatige und intuitiv bedienbare Kollaborationstechniken vorangetrieben werden. Dafür können innovative Formate  (Innovation Boot Camp, TED Talks, World Café etc.) genauso eingesetzt werden, wie neue Technologien (Hologramme, Tangible Media, Bluescape ec.). Eine andere Möglichkeit: Reale Veranstaltungen mit virtuellen Räumen ergänzen, in denen sich Teilnehmende austauschen können.

3. Netzwerkbildung unterstützen

Networking ist ein wichtiger Bestandteil der Geschäftswelt. Auch bei einer Veranstaltung steht mittlerweile der langfristige Aufbau eines Netzwerks sowie die persönliche Interaktion der Teilnehmenden im Vordergrund. Veranstalter können die Netzwerkbildung auf zwei Wegen unterstützen: Einerseits mit digitalen "Matchmaking"-Tools für die die Teilnehmenden im Vorfeld der Veranstaltung ihre thematischen Präferenzen und Interessen übermitteln. Der Veranstalter kann dann mit diesen Daten gezielt Teilnehmende mit ähnlichen Präferenzstrukturen zusammenbringen. Veranstalter können und sollten aber auch soziale Netzwerke viel stärker als Plattform zum wechselseitigen Austausch von Meinungen, Erfahrungen und Informationen nutzen, um die Netzwerkbildung voranzutreiben.

4. Räumlichkeiten anpassen

Die Anforderungen an die Qualität der Veranstaltungsräume ändern sich. Sie sollen nicht nur die Konzentration und Motivation der Teilnehmenden fördern, sondern auch ihre Interaktion und Kollaboration. Dafür braucht es unterschiedlich große Räume, flexible Settings (Sitzordnung, Mobiliar, Technik usw.) sowie eine intuitiv bedienbare und individuell buchbare Ausstattung. Selbstverständlich vorausgesetzt werden ein sicherer und stabiler WLAN-Zugang sowie ausreichend vorhandene Stromanschlüsse sowie Lademöglichkeiten für Smartphones, Notebooks sowie Tablets.

5. Alle Sinne ansprechen

Klar, nur eine Veranstaltung, die ein besonderes sowie emotionales Erlebnis schafft, bleibt in Erinnerung. Große Showeffekte sind dafür aber weniger wichtig als die Interaktion mit und unter den Teilnehmenden, indem mit innovativen Formaten alle Sinne angesprochen und stimuliert werden. Dafür besonders geeignet sind zum Beispiel spielerische Elemente und Rituale wie etwa das "Speed-Dating", das sich zum schnellen persönlichen Kennenlernen zu Veranstaltungsbeginn eignet. Die positive, konstruktive Atmosphäre, die dadurch entsteht, erhöht nicht nur die Aufnahmefähigkeit der Teilnehmenden, sondern auch deren Bereitschaft, sich mit eigenen Beiträgen aktiv zu beteiligen.

Wie Veranstaltungen verstärkt die interaktive Wissensvermittlung fördern können, zeigt der "Future Meeting Room"  - ein integriertes Gesamtszenario, das der Innovationsverbund "Future Meeting Space", bestehend aus dem Fraunhofer IAO, dem EVVC Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e. V. sowie dem GCB German Convention Bureau e.V., entwickelt hat.